Natur­wissen­schaft­liches Labor für Schüler am FKG e.V.

Experimental- und Forschungslabor für Schülerinnen und Schüler

Daten aus Hettstadt halfen, dem Rätsel von Knick-Instabilitäten in Jets näher zu kommen

In den natürlich vorkommenden Plasmatrömen der Jets von aktiven Galaxienkernen werden magnetohydrodynamische Instabilitäten vermutet, allerdings konnten die genauen Zusammenhänge mit plötzlich auftretenden Helligkeitsausbrüchen der AGN, sogenannten Flares, bisher nicht vollständig enträtselt werden. In der aktuellen Ausgabe der hochrenomierten Fachzeitschrift Nature ist nun ein Artikel erschienen, in dem ein wichtiger Schritt in diese Richtung unternommen wird.

Der AGN S4 0954 erreichte ein absolutes Helligkeitsmaximum

In der Nacht vom 11. auf den 12. Mai konnten wir eine starke Zunahme der optischen Helligkeit des AGN S4 0954 messen. Diesen AGN haben wir erst seit knapp zwei Jahren in unserem Messprogramm. Kurz nach der Detektion kam von Tom Balonek von der Colgate Universität in New York über den E-Mail-Verteiler der Whole Earth Blazar Telescope (WEBT) Collaboration ein Hinweis auf diese Helligkeitszunahme. Auch italienische Wissenschaftler konnten diesen Helligkeitsausbruch messen. In den folgenden Nächten wurde S4 0954 von den Wissenschaftlern aus New York, Siena und Mailand sowie von uns noch engmaschig überwacht. Am 14. Mai konnte dann in einer gemeinsamen Aktion ein Astronomers Telegram zu diesem Ereignis als Gemeinschaftsleistung veröffentlicht werden. S4 0954 gehört zur Untergruppe der BL-Lacertae-Objekten, eine Gruppe von aktiven Galaxienkernen, die sehr lichtstark sind. Wissenschaftler gehen davon aus, dass bei diesen Objekten die Akkretionsscheibe mehr oder weniger senkrecht zu unserer Blickrichtung steht, so dass wir nahezu direkt in den Jet schauen. Dies erklärt auch die relativ große Helligkeit dieser Himmelsobjekte.

Zwei neue Pilzkulturen im Schülerlabor etabliert

Im Schülerlabor konnten zwei weitere Sterilkulturen von Pilzen etabliert werden. Zum einen Kulturen vom Mutterkornpilz Claviceps purpurea und zum anderen von Trichoderma reesei. Der Mutterkornpilz, der zur Gruppe der Schlauchpilze gehört, parasitiert auf Getreideähren, vor allem auf denen von Roggen. Das bläulich-schwarze bis zu vier Zentimeter lange Mutterkorn ist ein Dauerstadium (Sklerotium), mit dem der Pilz den Winter übersteht. Dieses enthält ein Gemisch von einigen Dutzend zum Teil hoch toxischen Alkaloiden. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit hat der Verzehr von mit Mutterkorn befallenem Getreide das sogenannte Antonius-Feuer verursacht. Ein an der heute Ergotismus genannten Krankheit Leidender wurde von Matthias Grünewald auf der zweiten Rückseite des Isenheimer Altars dargestellt. Später wurden Mutterkornextrakte auf Grund ihrer gefäßverschließenden Wirkung zum Blutstillen nach einer schweren Geburt eingesetzt. Die nun etablierten Linien sollen zum einen auf ihre Alkaloidzusammensetzung, als auch hinsichtlich der enthaltenden Farbstoffe analysiert werden. Sie wurden uns von der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Humpf von der Universität Münster zur Verfügung gestellt. Trichoderma reesei gehört ebenfalls zu den Schlauchpilzen. Er zeichnet sich durch eine hohe Produktion von Cellulasen aus, also Enzymen, die Cellulose, die Gerüstsubstanz von pflanzlichen Zellwänden, abbauen. Hier ist das Ziel, diese Cellulasen zu isolieren und diese dann für weitere Experimente einzusetzen. Die Kultur von Trichoderma wurde uns von der Arbeitsgruppe von Frau Prof. Dr. Agler-Rosenbaum vom Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie in Jena zur Verfügung gestellt.