First Light an der Hans-Haffner-Sternwarte des FKG

Am 21. März 2012 fand an der Sternwarte in Hettstadt das „First Light“ des neuen Hauptinstrumentes statt, eines Astrographen mit 50cm Spiegeldurchmesser. Die Sternwarte wurde zu diesem Anlass nach dem bekannten Würzburger Astronomen Prof. Dr. Hans Haffner benannt.

Unsere im Dezember 2009 eingeweihte Sternwarte erhielt nach einer mehr als zweijährigen Planungs- und Einrichtungsphase nun ihr zukünftiges Hauptinstrument. Das von der kanadischen Firma Planewave Instruments hergestellte Teleskop wurde vom Lehrstuhl für Astronomie der Universität Würzburg angeschafft und in der Sternwarte aufgestellt.

Dieses außergewöhnliche Instrument wird neben den Schülerinnen und Schülern des FKG auch von Studierenden der Universität Würzburg im Rahmen von Vorlesungen, Seminaren und astronomischen Praktika genutzt. Wie alle Labore des Naturwissenschaftlichen Labors für Schüler am FKG soll auch die Sternwarte anderen Schulen offen stehen. So bahnt sich gerade eine Zusammenarbeit mit dem benachbarten Deutschhaus-Gymnasium an.

Das neue Teleskop ist das Herzstück des Kooperationsprojektes „Helligkeitsschwankungen aktiver Galaxienkerne“. Bei diesem bundesweit wohl einmaligen Projekt messen Schülerinnen und Schüler des Schülerlabors gemeinsam mit Fachwissenschaftlern des Lehrstuhls für Astronomie in regelmäßigen Abständen die Helligkeit der Zentren ausgewählter Galaxien. Mit Hilfe dieser Daten können die Massen und Abstände der beiden Schwarzen Löcher bestimmt werden, die sich in den beobachteten Galaxiezentren umkreisen. Diese Messungen ergänzen die Forschungsarbeit der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Mannheim, die mit dem MAGIC-Teleskopsystem auf La Palma die dieselben Objekte im Gammastrahlenbereich untersucht. Durch diese Einbindung von Schülern in aktuelle Forschung werden die junge Menschen bereits früh für die Naturwissenschaften begeistert und so der Weg für ein eventuelles naturwissenschaftliches Studium bereitet.

Ergänzt wird das Spiegelteleskop durch ein Linsenteleskop mit einer Öffnungsweite von 5 Zoll. Dieses konnte nur durch die Unterstützung des Verein der Freunde des FKG e.V. angeschafft werden, wofür wir uns alle an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bedanken. Das Linsenteleskop dient zur Beobachtung von Objekten mit größerer Ausdehnung und fungiert gleichzeitig als Leitrohr, mit dessen Hilfe das Spiegelteleskop mit höchster Präzision gesteuert werden kann.

Bei der Einweihung eines größeren Teleskops – der nun aufgestellte Astrograph gehört zu den größten Instrumenten seiner Art in Nordbayern – gibt es stets den feierlichen Moment der ersten astronomischen Beobachtung: das sogenannte „First Light“, also das erste Sternenlicht, das auf den Spiegel fällt, nachdem das Teleskop ausgerichtet und justiert wurde. Zu diesem Ereignis hatten sich neben zahlreichen Schülerinnen und Schülern sowie Studierenden auch Elternbeiräte, Lehrkräfte, der Vorstand des Fördervereins des FKG und Wissenschaftler und Professoren der Fakultät für Physik eingefunden. Die Gemeinde Hettstadt, die das Grundstück für die Sternwarte zur Verfügung gestellt hat, wurde durch Bürgermeister Eberhard Götz repräsentiert.

Das „First Light“ war auch Anlass, der Sternwarte nun einen Namen zu geben. Als Namenspatron wurde der erste Lehrstuhlinhaber für Astronomie an der Universität Würzburg und einer der Wegbereiter der europäischen Südsternwarte (ESO), Prof. Dr. Hans Haffner gewählt. Professor Haffner wirkte von 1967 bis zu seinem Tode im Jahr 1977 an der Universität Würzburg und war auch maßgeblich an der Einrichtung der ehemaligen Universitäts- und heutigen Volkssternwarte in der Keesburg beteiligt. Zur Namensverleihung verlas der Amtsnachfolger Haffners und jetzige Dekan der Fakultät für Physik, Prof. Dr. Karl Mannheim, auch einen handschriftlichen Brief der Witwe, Friedhilde Haffner, in dem sie sich für die Ehrung der Verdienste ihres Mannes bedankt und der Namensgebung zustimmt.

In den letzten Wochen und Monaten konnten Schülerinnen und Schüler genauso wie Studierende der Universität Würzburg erste praktische Erfahrungen an diesem besonderen Teleskop sammeln. Auch das Forschungsprojekt konnte nun nach Monaten der theoretischen Vorbereitung und Einarbeitung der Schüler in die Praxisphase eintreten. Selbstverständlich werden auch alle Unterstützer, Förderer und Sponsoren der Sternwarte Gelegenheit zu einem Blick durch das Instrument in den Sternenhimmel erhalten. Außerdem gibt es auch für die interessierte Öffentlichkeit immer wieder Führungen und Aktionen.

Ganz im Sinne Haffners ist die Sternwarte also jetzt ein Ort, an dem junge Menschen – Schüler gleichermaßen wie Studenten – erstmals mit dem faszinierenden Feld der praktischen Himmelsforschung in Berührung kommen.